Über Uns

Entstehung der Offenen Jugendarbeit in Fischamend

Im Jahre 1997 wurde die Stadtgemeinde Fischamend in die Aktion Stadterneuerung aufgenommen und dies war gleichzeitig der Beginn einer Auseinandersetzung mit dem Thema Jugendarbeit. Der erste wichtige Schritt war die Bildung eines Jugendarbeitskreises geleitet von DI Andreas Hacker der Stadterneuerung.

Schnell fand man heraus, welche Einrichtungen der Jugend in Fischamend noch fehlten. Bei den regelmäßigen Treffen dieses Arbeitskreises wurde die Problematik einer parteipolitischen Jugendeinrichtung oft diskutiert. Ziel war es offene Jugendarbeit zu leisten, ohne Parteibuch!

Da in Fischamend damals bereits ein ÖVP Jugendheim, SPÖ Kinderfreundeheim und ein Standupclub der KPÖ bestanden, gingen die Meinungen sehr auseinander.

Deshalb wurde 1999 ein Experte von der Arbeitsgemeinschaft Jugendzentren (ARGE) Herr Peter Tworsky sowie Frau Judith Heissenberger von der Spiellandschaft NÖ zu dem Arbeitskreis eingeladen. Gemeinsam sollten Rahmenbedingungen und die weitere Vorgangsweise für die offene Jugendarbeit in Fischamend festgelegt werden.

Im Jahr 2000 wurde dem Arbeitskreis der neu gewählte Jugendgemeinderat Rainer Tschernitschek, sowie die beiden StreetworkerInnen Richard Halbemmer und Alexander Eghart vorgestellt.

In weiterer Folge wurde im Jahr 2002 der Verein JUK- Fischamender Jugendkultur gegründet. Am Anfang der Offenen Jugendarbeit in der Stadtgemeinde Fischamend traf man sich regelmäßig in immer wechselnden Lokalen für gegenseitigen Meinungsaustausch und Diskussionen. Da die Bedeutung der Jugendarbeit innerhalb der Gemeinde immer mehr Anklang bei den Jugendlichen, aber auch in der Gemeindeverwaltung fand, entschloss man sich einen geeigneten Platz für das Jugendzentrum zu finden.

Die Wahl des Standortes war nicht einfach, in weiterer Folge mietete die Gemeinde Räumlichkeiten der Fa. Augsberger an. Die große Eröffnungsfeier fand im Juni 2003 statt.

Von 2003 bis 18.07.2013 arbeitete ich mit großer Unterstützung der Stadtgemeinde  intensiv am Aufbau und der Qualität der „Offenen Jugendarbeit“ in Fischamend.

Weiterbildungen, VernetzungspartnerInnen wie bOJA, JUTZ NETZ NÖ, Outdoorpädagogik Austria, BAST und KooperationspartnerInnen PSZ Schwechat, FAB Jugendcoaching, Mag. Andrea Herr Psychologin, Psychotherapeutin, BHW-Bildungs- und Heimatwerk, Römerland Carnuntum und sehr viel Öffentlichkeitsarbeit waren dazu notwendig.Das Jugendzentrum ist eine soziale Einrichtung der Stadtgemeinde Fischamend.

Wir bieten den Jugendlichen von 12 – 25 Jahren einen FreiRAUM eine Anlaufstelle mit den unterschiedlichsten kostenfreien Angeboten und ohne Konsumzwang.

Am 18.07.2013 wurde unser altes Jugendzentrum in der Gregerstraße 40 Opfer eines Brandes. Seit diesem Tag hatten wir ausgesprochen turbulente Zeiten und waren in einer Ausnahmesituation.

Es war eine Katastrophe –  von einem Tag auf den anderen waren der wichtigste Platz für unsere Jugend und der Arbeitsplatz von meinem Team und mir weg.

10 Jahre Einsatz für die Offene Jugendarbeit wurden ein Raub der Flammen und ich stand mit Tränen in den Augen vor dem brennenden Gebäude.

Es war ein Alptraum!!!!

Von August bis Oktober, waren wir dann auf diversen Plätzen und in den Straßen Fischamends unterwegs. In weiterer Folge wurden uns dann 2 Holzhütten als Anlaufstelle aufgestellt.

Als die kalte Jahreszeit begann, stellte uns Fischamend ZUERST das Klublokal als Alternativraum zur Verfügung.

Es war eine 100%ige Veränderung da. Unsere Kerngruppe war enttäuscht und traurig, dass ihr gewohnter FREIRAUM, mit  geschütztem Rahmen, von einem Tag auf den anderen weg war.

Die Jugendlichen trafen sich weiterhin mit mir, jedoch außerhalb vom Klublokal.

Der Alternativraum jedoch wurde von der nachkommenden Generation positiv angenommen.

Mein Team und ich mussten intensive Beziehungsarbeit leisten, um das Vertrauen der nachkommenden Jugendlichen zu gewinnen.

Es war eine sehr schwierige, herausfordernde Zeit für uns alle!

Im Juni 2014 bekamen wir dann Container direkt am „ Platz der Jugend“ aufgestellt.

Doch auch dies gestaltete sich sehr schwierig, da eine Gruppe von neu zugezogenen Jugendlichen, die nicht wussten wer wir sind, Terror auf uns ausübte. Es folgte Vandalismus  als Antwort ihrer Unzufriedenheit.

Mein Team und ich fanden auch für diese Problematik eine Lösung. Erst als die Jugendlichen erkannten, wer wir sind und warum wir mit ihnen Zeit verbringen, wendete sich alles zum Positiven.

Am 4.Juli 2014 erfolgte für unser neues Jugendzentrum der feierliche Spatenstich mit einem Rahmenprogramm.

Im August desselben Jahres war Baubeginn und am 15. Dezember 2014 übersiedelten wir bereits in das neue Haus.

Es wurde sehr schnell gehandelt, um  für die Jugend eine neue Anlaufstelle, einen FreiRAUM, eine zweite Heimat zu schaffen. Daran kann man erkennen, welch hohen Stellenwert Kinder und Jugendliche in der Stadtgemeinde Fischamend haben.

FREIRÄUME eine Annäherung an das Thema Freiraum im Kontext der Offenen Jugendarbeit

AUS DER PRAXIS

Freiräume fördern die Gesundheit!

Der Freiraum Jugendzentrum und die Natur sind das wesentliche Angebot, das wir den Jugendlichen für Erlebnisse, Experimente, Spiel, Spaß und Erfahrung im Zuge unserer Arbeit bieten können. Die Angebote werden gemeinsam mit den Jugendlichen entwickelt und orientieren sich stark an ihren Bedürfnissen und Kenntnissen – von outdoorpädagogischen Projekten über Suchtprävention, Girls-Day, Boys-Day, Aufklärung zu Safer Sex, Kreativangeboten, Workshops zu verschiedenen Themen, jugendkulturellen Veranstaltungen bis zur Unterstützung bei der Jobsuche.

 

Die BetreuerInnen stehen den Jugendlichen weiters bei den unterschiedlichsten Problemen zur Seite oder begleiten sie bei Bedarf zu Gesundheitsuntersuchungen, AMS oder zu anderen Institutionen. All diese Angebote zielen auf Gesundheitsförderung und somit einen bewussten Umgang mit sich selbst und dem eigenen Körper ab. Trotz oder gerade wegen des oft spielerischen Zugangs gelingt es, dass die Jugendlichen manches in ihren Lebensalltag integrieren. Im offenen Betrieb im Jugendzentrum steht die Einrichtung den Jugendlichen als Ort der Entspannung zur Verfügung. Sie haben die Möglichkeit ohne Konsumzwang, ohne Mitgliedsbeitrag und ohne Anmeldung ihre FreundInnnen zu treffen und in geschützter, gemütlicher Atmosphäre ihre Freizeit zu verbringen.

 

Dieser spezielle, auf sie zugeschnittene Rückzugort ist ein tatsächlicher Freiraum, der junge Menschen vom Alltagsstress befreit.

Outdoorpädagogik spielt bei uns im Jugendzentrum eine wichtige Rolle:

Zurück zur Natur, zurück zum Ursprung, zurück zum „Tun“ – weg von der Reizüberflutung, dem Überfluss und Konsum. Natur als Freiraum und persönlichen Entfaltungsraum erlebbar machen, auch Grenzerfahrungen – darum geht es.

 

Gemeinschaft erfahren und die Auseinandersetzung mit dem Wesentlichsten, dem Essen, auch das schafft den inneren Freiraum. Beim wöchentlichen gemeinsamen Kochen geht es um die Auseinandersetzung mit gesunden Lebensmitteln. Heutzutage kommt in vielen Familien aus Zeitgründen oftmals die Zubereitung von frischen Lebensmitteln zu kurz. Das gemeinsame Zubereiten von Speisen vermittelt, dass Kochen lustvoll ist und dem Körper damit gleichzeitig etwas Gutes getan wird. Das Ritual des gemeinsamen Tischdeckens und Essens ist ebenfalls etwas, das vielen fremd ist, vielleicht aber in den Lebensalltag übernommen werden kann und somit zu einem bewussten Umgang mit sich und seinem Umfeld beiträgt.

 

Eindrücke und Erfahrungen tatsächlich und mit allen Sinnen erleben, das schafft freien Entwicklungsraum für junge Menschen, das ist OFFENEN JUGENDARBEIT!

 

Autorin:

Christa Eleonora Heggenberger

Jugendzentrums Leiterin, Jugendarbeiterin, zertif.Outdoorpädagogin